Objektive

Zeiss ExoLens Pro – High-end Monokel für das iPhone.

Aus dem Bauch heraus: Spiel, Spass und die Liebe zum Schönen.

Zeiss ExoLens Monokel für das iPhoneImmer, wenn der erfolgreiche Konsummensch glaubt, er ist nun am Zenit und besitzt alles, was gerade so richtig hip ist, z.B. das neue iPhone 7 Plus, dann macht ihm die Konsumgesellschaft klar: Halt, da fehlt noch was Wesentliches, einwenig musst du noch kaufen damit alles komplett ist, z.B. ein Zeiss ExoLens Pro System.

Eigentlich eine ganz simple Marketingschiene, die seit Ewigkeiten blendend funktioniert und dem Konsumenten, vornehmlich nach grossen Ausgaben, noch das letzte verbliebene Geld aus der Tasche ziehen will. Ein paar Euro kann man noch raus quetschen, ein bisschen geht noch. Steht endlich der Golf in der Garage, das heiss ersehnte und lang ersparte 0815 Auto, millionenfach optisch gleich ausgeliefert, wird dem armen Käufer eingeredet, er müsse es speziell, individuell machen, ihm seine persönliche Note geben. Und so beginnt er pflichtbewusst sinnloses an sein Auto zu schrauben: Spoiler, elektrostatische Ableiter und wenn gar nichts mehr geht Anpress-Spoiler für die Scheibenwischer, um das ultimative Wischerlebnis zu garantieren.

Und so ist es auch beim Smartphone, einem der heiligsten Dinge des heutigen Menschen. Kaum gekauft, wird es mit allem möglichen Zubehör verwöhnt. In sündteure Taschen gesteckt, das Gorilla Glas, fast unzerstörbar für das noch Aufpreis berappt wurde, mit einer Schutzfolie nochmalig geschützt. Alles Dinge, die nach 12-monatiger Nutzung zu entsorgen sind, wenn das neue Modell angeschafft werden muss, das notwendiger Weise, um den Zubehörmarkt am Laufen zu halten, ein paar Millimeter in den Proportionen abweicht. Aus technischen Gründen, versteht sich.

Schreitet man die unendlichen Zubehörregale der Smartphones in Elektromärkten ab, bedarf es schon gehöriger Kreativität, noch irgendein neues Smartphone Gadget zu erfinden, das halbwegs Sinn macht. Doch es fehlte etwas Wesentliches. Es war so offensichtlich, dass es wohl beim Grübeln übersehen wurde: Wechselobjektive für das iPhone. In Zeiten, in denen sich jeder zum Starfotografen berufen fühlt, absolut notwendiges Add-on. Blöd nur, iPhones haben kein Objektiv Bajonett. Bereichsübergreifendes Denken ist gefordert. Auch Brillen werden nicht vor die Netzhaut geschraubt sondern vor das Auge geklemmt. Also, das ist es, Sehbehelfe für das iPhone als Makro, Weitwinkel und Tele. Einfach davor klemmen wie ein Monokel. Geht doch!

Zeiss ExoLens Pro und iPhone

Eine geniale Idee war geboren: Monokel für Smartphones, die mit windig angeklippten Vorsatzlinsen laut Marketing aus einer Miniaturlinse und einem Mikro Sensor eine leistungsstarke High-end Kamera zaubern, mit der sodann epochale Bilder gestaltet werden können. Dem Durchbruch als Fotografen steht nichts mehr im Wege, ausser die Anschaffung dieses Gadgets.

Das erkannte auch Zeiss und nachdem das Unternehmen eine Ikone der optischen Industrie in Sachen Konstruktion, Glassorten, Vergütung und mehr ist, konnte man sich schlüssig nur dem finanziellen High-end Publikum widmen. Der Startschuss fiel Linsen für das iPhone zu entwickeln, die deutlich besser sind als das eingebaute Objektiv selber.

Und so baut nun Zeiss unter der Linie Zeiss ExoLens PRO drei Vorsatzobjektive: Ein Tele, ein Weitwinkel und ein Makro die unglaublich aber wahr mit der unerreichten T* Vergütung versehen sind. Es wird nicht gespart. Und gleich vorneweg: Hält man die drei Objektive in der Hand, die allesamt gegen Staub und Feuchtigkeit versiegelt sind, höchstwertig verarbeitet, der Kenner das Schimmern der teuren Vergütung erkennt und an denen gross das Zeiss Emblem prangt, schaltet bei jedem leidenschaftlichen Fotografen das Gehirn ab und es wird der Bauchgefühl-Modus aktiviert. Keine Frage, man will das alles haben und klippt man noch den präzisionsgearbeiteten Bracket an das iPhone, feinste Aluminiumarbeit, an denen die Objektive angeschraubt werden, zückt man die Kreditkarte, selbst wenn das Konto gänzlich überzogen ist.

Zeit, das Gehirn wieder einzuschalten und sich einige Fragen zu stellen. Z.B. machen solche Linsen bei einem 1 / 2,9 Zoll Mini Sensor, der nur miserable 36 lpm Auflösung im Zentrum, am Rand, für das erweiterte Weitwinkel besonders fragwürdig, nur 27 lpm Auflösung bringt, überhaupt den geringsten Sinn? Zum Vergleich, ein analoger Kleinbild Schwarzweissfilm mit brauchbarem angesetzten Normalobjektiv bringt problemlos 200 lpm auf der Messskala.

Die schon locker sitzende Kreditkarte sollte wieder in die Hosentasche geschoben und bevor impulsiv hunderte Euro über den Tresen wandern, einwenig nachgedacht werde.

Zurück zum Anfang. Macht das Zeiss ExoLens Pro System Sinn?

Zeiss ExoLens Pro und iPhone

Der denkende Mensch stellt sich vor einer Anschaffung erst die Frage: Brauche ich das überhaupt? Wer sich ein iPhone 7 Plus bar leisten kann, hat in der Regel auch irgendeine Kamera, je nach Ambitionen und kann die Frage sofort wie folgt beantworten: Nein, das brauche ich definitiv nicht. Ausreden wie, die Kamera habe ich nicht immer dabei, das ist doch praktisch, muss man leider mit der Aussage kontern: Ein Sammelsurium an drei Linsen samt Halterung auch nicht.

Sehen wir uns die drei Objektive doch einmal näher an und lassen wir ausser acht, dass sie überaus schöne optische Handwerkskunst sind und mit der legendären T* Vergütung versehen sind.

ExoLens PRO ZEISS Telephoto

Die Telephoto Linse weisst einen Faktor von 2,0 auf, also so wie die klassischen, guten alten Zwischenringe, mit denen man sich aus dem 50 mm Objektiv ein leichtes Tele oder eine schöne Portraitbrennweite baute. Natürlich um Geld zu sparen, bei akzeptablem Leistungsverlust. Aus den 28 mm des iPhone macht die Vorsatzlinse somit exakt ein 56 mm Objektiv. Und auch wenn man noch so gütig ist, das geht einfach nicht als leichtes Tele durch. Das ist schlichtweg eine Normalbrennweite und Etikettenschwindel. Natürlich macht die Linse deutlich bessere Portraits als die eingebaute 28 mm Brennweite, doch das liegt schlichtweg nur daran, dass ein 28 mm gänzlich ungeeignet für ansprechende Portraits ist und mehr Fratzen und Witzfiguren produziert, als charmante Portraits.

ExoLens PRO ZEISS Wide-Angel

Bei dem Weitwinkel Vorsatz stellen sich zwei Fragen. Eine 28 mm Brennweite ist ein sehr ordentliches Weitwinkel, im Reportagebereich ist das 35 mm der Standard. Also ist das iPhone ohnedies schon für Landschaftsfotografie und auch Architektur gut bestückt. Und auch im Landschaftsbereich wählt der Profi selten mehr als 21 mm, weil einfach ab da viel zu sehen ist, aber nur noch wenig Landschaft. Macht also eine Vorsatzlinse, die mit einem Faktor von 0,6 ein rund 17 mm Objektiv schafft, eine absolute Spezialbrennweite, an einem iPhone überhaupt noch Sinn? Nein, einfach nein. Aber für Architektur doch? Nein, leider, auch nicht. Da nutzt man besser die Panoramafunktion des iPhones. Das wird zehnmal besser, weil die Stichfunktion ganz hervorragend ist.
Die zweite Frage, die jeder echte Profi beim Einsatz solcher extremer Weitwinkel sofort stellt ist jene: Schafft der Bilddträger von der Auflösung her überhaupt noch so ein weites Gesichtsfeld technisch ansprechend einzufrieren? Bei 37 lpm im Zentrum und 27 lpm im Randbereich lautet die Antwort: Nein, sicher nicht. Der Chip samt Auflösung ist einfach dafür nicht mehr geeignet.

ExoLens PRO ZEISS Macro-Zoom

Dann hätten wir da noch das Makro im Angebot. Ein Frühlingsspaziergang, ein Urlaub in den Tropen, ein Trödelladen, ein Flohmarkt – die Makro Klassiker. Man zückt das iPhone und stellt recht schnell fest, es ist einfach nicht nah genug ranzukommen. Da hilft nur noch das elektronische Zoom oder der nachträgliche Photoshop ausschnitt, aber die Qualität ist grässlich!

Ein Zeiss ExoLens PRO Macro-Zoom wäre es jetzt. Je nach Zoom, 40 bis 80 mm, kann an das Objekt 3 bis 12 cm nahe heran gegangen werden und formatfüllend abgelichtet werden. Schön, dass das Zeiss ExoLens PRO einen mitgelieferten hochwertigen Diffusor zum Aufsetzen hat, was das Lichtproblem im Nahbereich nei grellem Sonnenlicht korrigieren hilft. Das Makro ist auch noch klein genug, um es in die Hosentasche zu stecken. Macht so ein Marko einen Sinn? Ja, macht es, das ist was Feines. Ist das 180,- Euro plus 65,- Euro Halterung wert? Man weiss nicht so recht. Spielverderber sagen auch hier klar: Nein. Vielleicht doch lieber das Apexel 85 mm Zoom für 26,- Euro inkl. Halterung. Hat auch vier Gruppen, hat auch eine Vergütung und sieht auch schick aus. 219,- Euro Preisunterschied. Das ist ein all-in Kurzurlaub, bei dem man mit dem Billigteil von Apexel und dem Smartphone garantiert schöne Sonnenuntergänge knipsen könnte, auf den Kanaren zum Beispiel wo das Wetter immer sonnig ist.

Die zahlentechnische Provokation.

Zeiss ExoLens PRO System ganz schön teuer – lohnt sich das?

Nun einmal ganz nüchtern. Wer das Zeiss ExoLens PRO System kauft, könnte sich genauso gut oder besser eine LUMIX DMC-LX100 anschaffen, würde noch 75,- Euro sparen und müsste sage und schreibe 21 Gramm weniger Gewicht mitschleppen, so das Handy zu Hause gelassen wird.

Der Sensor der Lumix hat in etwa soviel Pixel wie das iPhone 7 Plus, nur die gelieferte Auflösung ist nicht nur besser, es ist eine andere Welt! Bei der LUMIX bekommt der Fotograf ein professionelles Bild mit höchster Auflösung, ein Objektiv mit sensationeller Lichtstärke und Schärfe, das obwohl von Panasonic den Namen Leica führen darf und einen Brennweitenbereich von 28 bis 75 mm hat. Eine sinnvoller Zoombereich, in dem noch ein Qualitätsobjektiv fertigbar ist.

LUMIX DMC-LX100 versus Zeiss ExoLens PRO System.

Mit dem System iPhone 7 Plus samt Zeiss ExoLens PRO ist teures Spass geknipst angesagt. Es steht ausser Frage, das es lustig ist, Linsen vor das iPhone zu klemmen und Bilder damit zu schiessen. Ein gutes Bild wird so nie herauskommen.

Es geht um Spass und so sollte der Preis auch sein. Warum nicht zu Apexel greifen. Die Sehhilfen für das iPhone sind in ähnlicher Abstufung wie beim Zeiss ExoLens PRO erhältlich, die Linsen in gleichen Gruppen und ebenfalls vergütet und es müssen in Summe nur 50,- bis 70,- Euro angelegt werden. Ein Betrag, der für eine Spassgeschichte noch erträglich ist. Und Hand aufs Herz, wo landen die meisten iPhone Bilder? Bei Instagram, facebook und Co und dafür ist die Qualität allemal ausreichend.

Da kommt ein Zitat der Weltklasse Athletin Audrey Sutherland, die tausende Kilometer Küstenlinie in Hawaii, Alaska oder British Columbia erpaddelt hat in den Sinn: „Don’t spend money on gear. Spend it on Airplain tickets.“ Ein gutes Schlusswort.

Aufsatzlinsen für das Smartphone – mehr ein Spass-Gadget.

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